Ein Tag Prolog bei Regen, vier Renntage bei Regen: Die Red Bull Romaniacs sind bekanntlich bei trockenen Bedingungen schon grenzwertig, aber bei diesen Verhältnissen nahezu unfahrbar.
Red Bull Romaniacs 2010
Sibiu, Rumänien
26. – 30. Juni 2010
Zum siebten Mal traf sich die Weltelite des Extrem-Enduro im rumänischen Sibiu (Herrmannstadt), um sich über fünf Tage den streckentechnischen Gemeinheiten einer der weltweit härtesten Extrem-Enduro Rallyes in den Karpaten zu stellen. Nach dem gleichsam legendären wie spektakulären Incity-Prolog folgten vier bis zu 260km lange Etappen, welche auch die Fahrer der Pro-Klasse an ihre physischen und mentalen Grenzen führen sollten.
Dominiert wurden sowohl der Prolog als auch die die gesamten vier Offroad-Renntage – zum Leidwesen der Fahrer aller Klassen – vom nahezu unausgesetzten Regen, der die ohnehin schon äußerst anspruchsvollen Strecken zu einer Schlammschlacht sondergleichen machte. In der Nacht vor dem Prolog, bei dem die Fahrer über einen Parcours künstlich errichteter Hindernisse aus Steine, Holz, Reifen, Autos und LKW-Anhängern fahren müssen, hatte der Regen eingesetzt und sollte bis zum vierten und letzten Renntag nur von wenigen sonnigen Intervallen unterbrochen werden.
Der BMW Husqvarna Pilot Andreas "Letti" Lettenbichler war als Titelverteidiger angetreten und erreichte einen guten vierten Platz im Prolog, bei dem die Startplätze für den folgenden ersten Renntag ermittelt werden: "Ganz am Anfang bin ich mit dem Hinterreifen zwischen den Baumstämmen hängengeblieben und habe mich dann noch von ganz hinten auf den vierten Platz vorgearbeitet. Aus dem Vorjahr weiß ich, daß Startnummer vier nicht nachteilig ist."
Der Regen machte bereits den ersten Renntag zur höllischen Tortur. Tiefste Böden, Auffahren ohne Grip und halsbrecherische Abfahrten auf regennassem Gras forderten selbst den austrainierten Piloten der Pro-Klasse neben äußerster körperlicher Fitneß extrem hohe Risikobereitschaft ab. Letti holte sich bei einem Sturz fast schon folgerichtig die erste Verletzung ab. Laut erster Auskunft der Rennärzte lag am Abend des ersten Renntages eine angebrochene Rippe vor. Gemäß seines Mottos "Never ever give up" biß Letti die Zähne zusammen und kämpfte sich in bewundernswerter Manier durch die folgenden drei Renntage. Derart lädiert ließ er am zweiten Renntag einen Husarenritt folgen, der seinen Mitstreitern allen Respekt abforderte, denn Lettenbichler gewann den zweiten Renntag mit einem Vorsprung von gut 24 Minuten auf den Zweiten Paul Bolton. Die – wiederum verregneten – Renntage drei und vier beendete der Kiefersfeldener auf dem dritten und vierten Platz.
"Im Prolog habe ich mit dem vierten Platz wie im letzten Jahr wieder eine gute Ausgangsposition gehabt. In der Veranstaltung gab es neben den äußerst schlechten Witterungsbedingungen einige Probleme. Alle Fahrer haben sich Tag für Tag abgekämpft. Der erste Renntag war bei diesen Verhältnissen einfach zu lang und die schwierigsten Passagen haben uns Fahrer schon am ersten Tag schon so kaputtgemacht und fast alle Fahrer haben neben der Erschöpfung durch den tiefen und rutschigen Boden Blessuren mitgenommen, die man über die restlichen Tage nicht einfach abschütteln konnte. Ich bin normalerweise nicht zimperlich, aber Spaß hat das in diesen Tagen sicher nicht gemacht. Trocken wären die meisten Passagen sicherlich fahrbar gewesen, aber bei diesen Verhältnissen hätte man insbesondere einige steilste Auf- und Abfahrten streichen sollen. Alles in allem bin ich zufrieden, daß ich das Motorrad, das auch bei diesen Bedingungen ohne Probleme funktioniert hat, auf dem dritten Platz fahren konnte."
Endergebnis Red Bull Romaniacs
PRO-CLASS nach Tag 4:
1.BIRCH Chris (NZL, KTM) 28:17:31 Stunden Gesamtfahrzeit
2.JARVIS Graham (UK, Sherco) 28:46:12
3. LETTENBICHLER Andreas (GER,BMW) 29:18:29
4. BOLTON Paul (UK, KTM) 29:52:12
5. GUTZEIT Jade (RSA, KTM) 30:21:32
6. SEYDOUX Lionel (CH, KTM) 33:21:58
7. FORSTER Gerhard (GER,BMW) 35:47:18
8. CURTIS Darryl (RSA, KTM) 40:06:41
9. GYENES Emanuel (ROM, KTM) 42:10:59
10. BRANDAUER Erich (AUT, Husaberg) 42:36:54
Andreas Lettenbichler markierte für das Team BMW Husqvarna Motorsport den hervorragenden zweiten Platz beim abschließenden Hare Scramble des Erzberg Rodeo 2010. Er zeigte vom Start weg eine hervorragende Leistung und stellte seine BMW G 450 X nach dem extrem schwierigen Rennen auf die zweite Stufe des Siegerpodestes, nachdem er die zermürbende Renndistanz nach nur knapp zwei Stunden bewältigt hatte. “Letti” musste sich nur dem viermaligen Erzberg-Sieger Taddy Balzusiak (Polen) geschlagen geben. Insgesamt schafften es von den 500 Startern nur 16 ins Ziel.
Lettenbichler hatte sich als Neunter beim Prolog qualifiziert und sich damit den enorm wichtigen Platz in der ersten Startreihe für das abschließende Hare Scramble gesichert. Allerdings erschwischte er dann keinen besonders guten Start und wurde zunächst von undurchdringlichem Staub behindert. Nach der Hälfte des Rennens hatte er sich aber bereits auf den dritten Platz vorgekämpft. Im Wissen, dass die Chancen, Blazusiak noch abzufangen, gering waren, fuhr er ab diesem Zeitpunkt sein eigenes Tempo und kämpfte sich durch die nahezu unpassierbaren Klettersektionen.
Der BMW-Profi erwies sich einmal mehr als einer der stärksten Extrem-Spezialisten weltweit. Zum dritten Mal eroberte er den zweiten Platz am Erzberg und zeigte sich am Ende mit seiner Leistung mehr als zufrieden.
Andreas Lettenbichler: “Ich habe den Start richtig verhauen, und damit habe ich es mir selber schwer gemacht, weil ich danach mitten im Staub steckte. Deshalb konnte ich in der ersten Sektion gar nicht angreifen und musste sehr vorsichtig fahren, während die Jungs an der Spitze richtig Gas geben konnten. Danach fuhr ich allerdings zunächst, so schnell ich konnte. Beim ersten Checkpoint war ich glaube ich bereits Dritter hinter Graham Jarvis und vor Dougie Lampkin. Nach dem zweiten Check stürzte ich und verlor einiges an Zeit. Dadurch gingen Graham und Dougie wieder an mir vorbei. Ich fuhr danach mein eigenes Rennen und versuchte, möglichst fehlerfrei zu bleiben. Ich empfand das diesjährige Rennen etwas härter als letztes Jahr, vor allem wegen der neuen Sektionen. Der zweite Teil der Strecke war richtig schwer – wie jedes Jahr. Auch mit einem besseren Start hätte ich aber wohl kaum gewinnen können. Taddy war einfach unglaublich schnell. Ich bin mehr als glücklich mit meinem zweiten Platz. Ich bin gut gefahren und mein Bike funktionierte einfach nur unglaublich gut. Es war hart, aber ein tolles Rennen, ich hab es sehr genossen.”
Ergebnis – Erzberg Rodeo 2010, Red Bull Hare Scramble:
1.Taddy Blazusiak (KTM) 1.45:43
2.Andreas Lettenbichler (BMW Husqvarna Motorsport) 1.56:26
3.Dougie Lampkin (Beta) 2.02:26
Andreas Lettenbichler, Extremenduro-Spezialist des Teams BMW Motorrad
Motorsport, verpasste das Podium des 6. Hell's Gate Extrem-Enduro in
der italienischen Toskana ausgesprochen knapp. Er war der letzte
Fahrer, der in der letzten Runde des Ausscheidungs-Rennens die Segel
streichen musste.
Bei seinem ersten internationalen Einsatz des
Jahres 2010 tat sich „Letti“ beim schwierigen Fünf-Stunden-Qualifying
noch relativ leicht. Er belegte hier in der Summe der
Qualifikations-Sonderprüfungen hinter dem Polen Taddy Blazusiak und dem
Briten Graham Jarvis den dritten Rang, bevor es an die echte erste
Standortbestimmung des neuen Jahres im Hauptrennen ging.
Schon
beim Start am Morgen war klar geworden, dass die 2010er Ausgabe des
Hell's Gate extrem schwierig werden würde; Lettenbichler zeigte sich
aber relativ unbeeindruckt von den fast unfahrbaren Streckenbedingungen
und beendete die Vier-Runden-Qualifikation auf seiner BMW G 450 X in
der Addition nur 38 Sekunden hinter Blazusiak und 11 Sekunden hinter
Jarvis. Bei zwei der Spezialtests landete Letti auf dem zweiten Platz,
bei einem weiteren auf dem dritten und sicherte sich damit einen Platz
in der ersten Startreihe des zermürbenden Hauptrennens.
Im
Hauptrennen rangierte der BMW-Werksfahrer nach einem guten Start
zunächst auf der vierten Position. Allerdings erwiesen sich einige
Passagen wegen vereister Felsen und Wurzeln als unfahrbar. Frustriert
musste Letti immer wieder seine Maschine abstellen und zusehen, wie die
Fahrer vor ihm einer nach dem anderen von Helfern eine schwierige
Felsenauffahrt hinauf gezerrt wurden. Lettenbichler gab alles, um sich
auf den dritten Platz vorzuschieben, den er auch bis zum Ende des
Rennens hielt. Am Ende wurde Lettenbichler wegen Zeitüberschreitung
nicht offiziell als „Finisher“ in der Ergebnisliste geführt. Letti war
allerdings neben den beiden Briten der einzige Fahrer, der es bis in
die dritte und vierte Runde schaffte.
Auch der Österreicher Rudi
Pöschl fuhr mit seiner BMW G 450 X ein tolles Ergebnis ein. Der von BMW
Motorrad und Speedbrain unterstützte Fahrer lag bei seinem ersten
Hell's Gate bis zur Überschreitung des 40-Minuten-Zeitlimits auf dem 8.
Platz.
Andreas Lettenbichler: “Das Qualifying
am Morgen lief ganz gut für mich. Man weiß natürlich, wenn man bei
einem Event wie dem Hell's Gate antritt, dass es schwer wird. Deshalb
setzt man möglichst wenig Energie beim Qualifying ein. Ich hatte einige
gute Sonderprüfungen und fand gute Linien. Als Dritter hinter Blazusiak
und Jarvis zu liegen, ließ auf mehr hoffen. Das bedeutete allerdings
nicht mehr viel, als es in das Hauptrennen ging. Ich denke, das war
dieses Jahr einfach zu schwer. Die meisten Fahrer, mit denen ich
gesprochen habe, sagten dasselbe. Es ist nicht unbedingt toll, wenn nur
zwei Fahrer ins Ziel kommen. Wie auch immer, ich fand ganz gut ins
Rennen und freute mich darauf. Es gab dann allerdings Sektionen, wo Du
dein Bike nicht fahren konntest und warten musstest, bis dich jemand
mit dem Seil hinauf zieht. Es gab keine andere Möglichkeit, als einfach
nur zu warten. Oben angekommen waren die Fahrer vor dir schon lange
weg. Ich war nach der ersten Runde Vierter und schob mich dann einen
Platz vor. Ich weiß, dass ich Dritter war und letzter Fahrer im Rennen,
als es in die dritte Runde ging. Es ist natürlich schwer, unter diesen
Umständen motiviert zu bleiben. Auch in die vierte Runde startete ich
als Dritter. Weil ich aber zu weit hinter den beiden Führenden lag,
nahm mich der Veranstalter irgendwann aus der Wertung. Das ist
natürlich ziemlich enttäuschend; sehr positiv ist allerdings, dass ich
am Morgen den dritten Platz einfahren konnte und dann der dritte Fahrer
im Finale war."
Ergebnisse – Hell’s Gate ‘10
Morning Enduro (Stage 1)
1.Taddy
Blazusiak (KTM) 34.02:70; 2. Graham Jarvis (Sherco) 34.30:22; 3.
Andreas Lettenbichler (BMW Motorrad Motorsport) 34.41.15; 4. Dougie
Lampkin (Beta) 36.19.70; 5. Cory Graffunder (Husqvarna) 36.40:89; 6.
Xavi Galindo (Husaberg) 36.48:86; 7. Mikael Vukcevic (Sherco) 37.43:43;
8. Chris Birch (KTM) 38.11:54; 9. Daniele Maurino (Gas Gas) 39.47:82;
10. Daniel Gibert (Sherco) 40:00.05…13. Rudolf Pöschl (BMW) 40.23:44
Lesotho, 28. Nov. 2009 Im Time Trial des ersten Renntags hatte ich ja durch einen Navigationsfehler eine satte Zeitstrafe von einer Stunde erhalten, sodaß ich am zweiten Renntag vom Startplatz 105 (!) aus ins Rennen ging. Ich habe mich dann also "etwas anstrengen müssen", konnte von den 104 vor mir Fahrenden 103 überholen und bin als Zweiter nach Chris Birch ins Ziel gekommen. Es könnte ja einfach auch gehen, aber ... das sollte diesmal wohl nicht sein. Insgesamt waren wir gestern gute 10 Stunden auf dem von von 220 auf 160km gekürzt Track unterwegs, da könnt Ihr Euch vorstellen, wie das Gelände war - und bei 35 Grad im Schatten bringt Dich das schnell an Deine körperlichen Grenzen. Man hatte wohl nicht richtig absehen können, wie lange man für den Track brauchen würde, was in dieser Form eigentlich nicht vorkommen sollte.
Der Chris Birch hat sich dann heute, am dritten und letzten Renntag, einmal ca. anderthalb Stunden verfahren, aber dann einen Restart bekommen, weil an einer bestimmten Stelle zu dem Zeitpunkt wohl kein Marschall stand. Wir haben zwar GPS, aber sei's drum.
Heute bin ich wieder recht schnell unterwegs gewesen, aber ca. 10km vor dem Ziel mit einem technischen Defekt liegengeblieben. Ein Stein hatte ein Leck im Motorblock geschlagen und ich hatte nur noch sehr wenig Öl, als ich das bemerkte. Wir haben dann versucht, das irgendwie zu flicken, was aber leider nicht mehr in der Zeit geklappt hat. Nach der gestrigen Aufholjagd ist das natürlich eine riesige Enttäuschung.
Organisatorisch war die Streckenführung und der Track teilweise schon recht hackelig und unklar, ich hoffe, daß das nächstes Jahr besser wird und ich ohne Fehler und technische Probleme dann auf dem Podium ganz oben ankomme.
Morgen geht es wieder zurück in die Heimat und dann fängt die Vorbereitung für das Tough One im Januar schon los.
Lesotho, 26. Nov. 2009 Nach meinem Triumph bei der Red Bull Romaniacs ist die Roof of Africa, vom Veranstalter auch "The Mother of Hardenduro" genannt, das nächste Rennen in meinem Kalender. Ich war bereits am vergangenen Samstag angereist, um noch ein paar Tage vor Ort trainieren und die Verhältnisse studieren zu können. Denn die Roof of Africa findet in Lesotho statt und somit ist die Anreise etwas aufwendiger. Ich werde nach jedem der drei Renntag hier auf meiner Website berichten.
Heute morgen ging es dann mit dem 'Round the Houses' los. Man muß die 3,6km lange Asphalt-Runde dreimal fahren. Den Holeshot konnte ich schießen, danach konnten mich die Zweitakter aber auf einer langen Gerade einholen und Lokalmatador Darryl Curtis und (Vorjahresgesamtsieger) Chris Birch sind an mir vorbeigezogen. Darryl konnte ich mir jedoch wieder schnappen, sodaß ich als Zweiter hinter dem Birchy ins Ziel kam.
Das bedeutete dann auch die zweite Position für den Time Trial heute. Wer sich die Streckenführung des Time Trials mal anschauen mag, kann das hier tun. Vom Terrain her ist Lesotho ein einziges riesiges Endurogelände, traumhaft zu fahren, Steine, Berge und Wiesen. Nach dem Start bin ich dann auf Sichtkontakt zum Birch gefahren und etwa nach einer halben Stunde ist mir dann eins meiner beiden GPS-Geräte ausgefallen, was richtig Sch.... war. Das noch intakte GPS hat die Fahrtrichtung immer nach Norden gezeigt, was mich dann ziemlich verwirrt hat. Kurze Zeit später bin ich bei einer Markierung nach rechts statt nach links gefahren, obwohl die Strecke ínsgesamt eigentlich gut markiert war. Durch diesen Fehler habe ich wohl ohne es zu wollen gute 10km weniger gefahren, was wird mir wohl eine satte Zeistrafe einbringen wird. Es waren aber auch ein paar wirklich grenzwertige Loops dabei, bei denen man teils sogar wieder gegen die Strecke fahren mußte. Doch den Fehler habe ich gemacht, weil ich mir ein neues GPS gekauft und mich vor dem Rennen nicht 100%-ig damit vertraut gemacht habe.
Denn werde ich das Feld morgen halt von hinten aufrollen müssen, es stehen ca. 220km an und man sagt, daß die Etappe morgen ziemlich schwer werden soll. Und ich hoffe, daß es ziemlich schwer wird, denn dann kann ich in den anspruchsvollen Passagen vielleicht wieder einige Zeit gutmachen. Es ist hier sehr heiß, über 30 Grad haben wir und wenn die Strecke nicht wirklich schwer wird, dann muß ich echtes Glück haben, um nochmal an die Spitze ranzukommen. Chris Birch, Jade Gutzeit, Darryl Curtis und die anderen schlafen ja auch nicht, aber ich werde alles aus mir herauspressen, das mache ich ja eh immer.